5. Besuch bei Samhathi Indien November/ Dezember 09
Liebe Freunde und Unterstützer von Samhathi,
Im November und Dezember haben wir wieder 3 sehr ereignisreiche Wochen in Indien verbracht.
Wir - das waren wie auch schon im Vorjahr - Henny und ich. Gute 2 Wochen davon waren wir bei Samhathi.
Wir konnten die Zeit sehr gut nutzen, alle Projekte mehr oder weiniger ausführlich besuchen, hatten viele produktive Gespräche mit Father Jacob und seinem Team.

Wir hatten auch noch genügend Zeit zum Erholen (Henny auch noch von ihrer Arbeit für die Agentur). Eine Woche war auch Regina (Dr. Regina Rath) dort, was sich als besonders fruchtbar erwies. Hier eine kurze Zusammenfassung des Status der Projekte:
Kinderheim Jnanpeet (MIC):
Da das Kinderheim ja am selben Gelände wie das Büro und die Gästehäuschen liegt, konnten wir faktisch die ganze Zeit das Alltagsleben mit verfolgen und Kontakt mit den Kindern haben. Das Abendessen haben wir wieder abwechselnd an einem der Tische der Kinder eingenommen und hatten so Gelegenheit mit vielen Kindern zu plaudern. Die kleineren und größeren Sprachschwierigkeiten wurden dabei mit viel gutem Willen und auch Humor überwunden.. Die Kinder hatten gerade ihre mid-term Prüfungen hinter sich und mussten nicht soviel lernen wie sonst, Allerdings wurde ausführlich Tanzen und Singen für das 3Jahres-Jubiläumsfest geprobt.
An unserem letzten Tag hatten wir noch Gelegenheit das Ergebnis zu bewundern.

Besonderer Anlass zu Freude war aber jeden Nachmittag den Spaß zu sehen, den die Kinder bei ihren verschiedenen Spielen im Hof haben. Mit besonderem Vergnügen ist da auch immer Father Jacob dabei, nicht nur bei den sehr heftigen Fußballmatchen der Buben.
Als wir ankamen, war gerade Besuchssonntag und natürlich waren wir sofort eingeladen eine kleine Ansprache für die Eltern zu halten. Die Eltern zeigten sich sehr interessiert, stellten viele Fragen, vor allem zu den Sponsoren. Ganz besonders gaben sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass diese einmal kommen würden, so dass sie Gelegenheit hätten, sie kennenzulernen und vor allem sich persönlich bedanken könnten. Ich versprach den sehr engagiert und herzlich vorgebrachten Dank an alle weiterzuleiten – was hiermit geschieht. Ich versprach aber auch, dass Gerda bei ihrem nächsten Besuch im Februar Fotos von allen mitbringen wird. Deshalb die Bitte an alle Sponsoren per Post oder elektronisch möglichst aktuelle Fotos zu senden.
My Indian Family (MIF)
Die Besuche bei den Familien waren teils berührend, teils erschütternd (z.B. bei einem gelähmten Maedchen, das auch noch nicht sprechen kann), teils einfach erfreulich (nierenoperierter Sohn 21, studiert auf der Universität und hat aus Eigeninitiative ein kleines Studycenter für Nachhilfekurse eingerichtet).Zum Glück überwiegen die erfreulichen Beispiele mit erfolgreichen IGP Progammen ( Kühe, aber auch diverses Kleingetier, kleine Geschäfte etc.) oder sehr beeindruckenden Kindern, die z.T. sogar schon studieren Auch die Familien haben sich sehr herzlich bedankt.
Auf Hennys Wunsch hat Father Jacob eine Familie ausgesucht, der Henny ein neues Haus bauen wird (das alte ist bis auf ein Zimmer weggebrochen und das Vorhaus wurde mit Plastik zum 2. Zimmer verwandelt).

Da gab es viele Besprechungen. Henny war mit dem Wunsch nach der derzeitigen Modefarbe Orange für das Haus mit über 30 Quadratmetern, 4 Räumen und einer kleinen Terrasse sehr einverstanden.
Kindergesundheits- und Palliative Care Projekte
Beide Projekte haben große Fortschritte gemach.
Beim Kige Projekt, gab es im Zuge der 2. von ADA unterstützten Stufe bereits viele Schulungen und die ersten Gesundheitsgärten wurden angelegt. Einen dieser neuen Kräuter und Gemüsegärten haben wir besucht. Er ist für unsere Begriffe etwas wild, aber mit ganz vielen interessanten Kräutern und Gemüsen und die Frau, die ihn betreut, kennt sich sehr gut aus.
Das Palliative Care Projekt wurde sehr ausgeweitet, geht schon über den Bereich von Samhathi hinaus und hat Beispielwirkung, wie man aus vielen interessierten Besuchern sehen kann. Die laufenden Kosten werden vor allem von lokalen Spenden (auch von den Ärmsten der Armen) finanziert.
Für beide Projekte war der Besuch von „Dr.Regina“ von großer Bedeutung. Sie hatte ja schon im Jänner – im Rahmen eines Familienurlaubs - eine Woche als Ärztin für Samhathi gearbeitet und war nun schon sehr mit der Situation vertraut. 2 Vormittage hat sie schwerstkranke Palliative Care Patienten betreut und an 2 Nachmittagen je 70 Kinder, darunter auch durchaus schwierige Fälle untersucht und beraten.
Sehr vieles was dort - auch medizinisch – gemacht wird, findet sie sehr beeindruckend und beispielhaft, andererseits konnte sie auch über die konkrete Arbeit hinaus sehr viel wichtige Ratschläge geben. Sie wird die Projekte auch weiter medizinisch begleiten. Für mich waren diese 4 halben Tage besonders wertvoll, da ich einerseits einen tieferen Einblick in die Projekte bekam und andererseits auch sehr beeindruckt von Regina als Ärztin war. Wie sie tiefe Empathie mit enormen ärztlichen Wissen und Sachverstand, sowie Engagement und Energie verbindet, scheint mir einmalig und hat auch das Samhathi Team, insbesondere die Krankenschwestern, Sozialarbeiterinnen und freiwilligen Helferinnen fasziniert. Für diese Gruppe hat sie auch einen 2 1/2 stündigen Vortrag gehalten, aus dem auch noch ein kleines Handbuch entstehen wird.

„Dr. Regina“ bei der Arbeit
Andere Aktivitäten
Sehr berührend, aber auch unterhaltsam war wieder der Besuch in einem „Children’s Club“, wo die Kleinsten spielerisch lernen, vor allem auch soziale Fähigkeiten. Uns wurden Lieder, Tänze und ein kleines Theaterstück vorgeführt.
Lieder, Sketches aber auch einen kleinen Vortrag gab es auch in dem Study Centre, das wir besucht haben. Dort bekommen die Kinder an Abenden und am Samstag Vormittag Stützunterricht, um die Defizite der überfüllten Klassen zu kompensieren.
Wir waren auch die ersten Gäste im Beach House, in dem in 3 Zimmern mit Bad Gäste direkt am Meer wohnen können..
Urlaub in Indien.
Für all diejenigen, die an Ferien in Indien denken, ist vielleicht auch von Interesse, dass Henny und ich auch noch 5 Tage im Norden im Goldenen Dreieck (Jaipur, Accra und Delhi) gereist sind. Wir waren mit der, über Internet mit einem indischen Reisebüro gebuchten, Reise sehr zufrieden und können gerne Tipps weitergeben.
Hintergrundinformation
Ich habe mich in diesem Bericht vor allem auf die Neuigkeiten konzentriert. Für die - Gott sei Dank zahlreichen - neuen Samhathi-Freundinnen und Freunde hänge ich daher noch prinzipielle Beschreibungen aus den letzten Berichten an.
Natürlich beantworte ich aber auch gerne Fragen jeder Art…
Ich bedanke mich bei /Ihnen/euch für die Treue zu Samhathi
und wünsche allen ein gesegnetes, freudvolles und gesundes Neues Jahr!
Elfi Siegert

Anhang:
Kinderheim – Bericht 2007
Das menschliche Klima dort ist wirklich außergewöhnlich, so fröhlich und voll Liebe und Vertrauen. Hauptquelle der Geborgenheit und Sicherheit ist natürlich Father Jacob, der den Kindern ganz viel Zeit, Liebe aber auch Fröhlichkeit schenkt. Er kennt wirklich jedes Kind persönlich sehr gut, auch die familiären Hintergründe, Stärken, Schwächen und Probleme. Im Gegenzug wird er von den Kindern heiß geliebt und sie haben auch keine Scheu, sich mit ihren Fragen und Problemen an ihn zu wenden. Für den Alltag sind 3 ausgebildete Lehrerinnen und eine Studentin zuständig, die ihre Arbeit aber weniger als Erzieherinnen, sondern vor allem als Ansprechpartner für die Kinder verstehen. Die Kinder sind nun in Gruppen organisiert und die Großen übernehmen viel Verantwortung und geben den Kleinen geschwisterliche Geborgenheit und Unterstützung.
Das Gruppensystem hat sich sehr bewährt und funktioniert inzwischen in vielen Bereichen. Die 6 Mädchen- und 3 Bubengruppen wählen einmal im Jahr einen Gruppenleiter (eine Gruppenleiterin), die ihrerseits wieder Aufgaben verteilt, einmal in der Woche diskutiert die Gruppe offene Fragen und Probleme.
Kige – Bericht 2008
Besonders interessiert hat mich natürlich unser Kindergesundheitsprogramm. Die „fliegenden“ Ordinationen (wenn es nicht gerade regnet im Freien) werden von der armen Fischerbevölkerung sehr gut angenommen.. 70 bis 100 Kinder werden so an jeden Nachmittag von einem Arzt gesehen und auch mit fast kostenlosen Medikamenten versorgt. Das ist allerdings erst der erste Schritt. Neben der besseren Ausstattung unserer mobilen Ambulanz soll in einem 2. Schritt ein großes Untersuchungs- und Schulungsprogramm durchgezogen werden, dessen Hauptziel die Prävention ist. Geschult werden freiwillige Helfer, Mütter und Kinder. Wir haben das Projekt bei der ADA (Öst. Agentur für Entwicklungszusammenarbeit) eingereicht, die es auf 3 Jahre mit 25% unterstützen wird. Es ist wieder ein Projekt, das ganz von der Basis aufgebaut wird und beispielgebend sein wird. Für uns in Österreich ist es allerdings eine große Herausforderung, da wir uns der ADA gegenüber verpflichtet haben für das Aufkommen der “restlichen“ 75% der Kosten zu sorgen, jedoch noch keinen Großsponsor gefunden haben.
Paliative Care – Bericht 2008
Bereits jetzt beispielgebend ist das neue Comunity Based Paliative Care (CBPC) Projekt. 8 Monate nach der Gründung betreuen 2 (angestellte) Krankenschwestern und hunderte freiwillige Helferinnen (u.einige Helfer) 1300 bettlägrige, großteils austherapierte, großteils unendliche arme Patienten. Das Projekt wird überwiegend durch lokale Spenden finanziert. Faktisch das ganze Einzugsgebiet von Samhathi ( fast 1 Mio Menschen) steht hinter dem Projekt und auch viele der Ärmsten unterstützen es, wenn oft auch nur mit einigen Rupien, es gibt aber auch größere Spenden von bessergestellten Indern, die es ja auch gibt. Die Johanniter aus Deutschland werden einen größeren Beitrag für Essen und Medikamente leisten. Das lokale Gesundeitsystem und die Medizinische Universität fördern das Projekt durch Entsenden von Ärzten falls notwendig .
Ich habe mit einer Krankenschwester und einer freiwilligen Helferin 5 solche Patienten besucht. Nach 3 Besuchen in Kerala bin ich ja schon sehr viel Armut und auch Not gewöhnt, aber was ich da gesehen habe, hat das noch deutlich übertroffen. Aber man kann sich auch vorstellen, was das für Patienten und betreuende, völlig überforderte, Familienangehörige bedeutet, regelmäßig (2x pro Woche) von extra geschulten mitfühlenden Menschen aus ihrer Umgebung besucht und nicht nur mit Rat sondern auch ( wo notwendig –und das ist es fast immer) mit Lebensmittel versorgt zu werden. Diese organisieren auch den Besuch der Krankenschwerster und wenn notwendig auch eines Arztes, die wieder die notwendigen Medikamente (oft einfach nur Schmerzmittel) zur Verfügung stellen.
Ich hatte auch das Glück beim einmal im Monat stattfindenden Treffen eines Teils der freiwilligen Helferinnen dabei zu sein. Diese Frauen beeindruckten mich sehr durch ihr Engagement und Auftreten. Viele wertvolle Erfahrungen wurden ausgetauscht, aber es war auch deutlich zu sehen wie diese Arbeit das Leben der Frauen bereichert, ihnen zusätzlichen Sinn gibt, aber auch ihr Selbstbewusstsein fördert. Rekrutiert werden diese Frauen vor allem aus den seit Jahren bestehenden Women´s groups.
Ihr Besuch bei Samhathi – Bericht 2008
Deshalb möchte ich Sie noch einladen nachzudenken, ob Sie sich nicht selbst einmal einen Eindruck verschaffen wollen. Natürlich ist eine Reise nach Indien nicht gerade billig (Flug ungefähr 850€), aber vielleicht passt es bei dem einen oder der anderen in die persönliche Planung.
Samhathi bietet auch im Sinn eines sanften Tourismus die Möglichkeit an, in sehr hübschen Häuschen (bestehend aus Zimmer und Badezimmer) quasi in Vollpension für ca. €20 pro Person und Tag Urlaub zu machen, auszuspannen und auch die Kinder kennen zu lernen. Wir liegen in einer sehr reizvollen dschungelartigen Gegend, ca. 1,5 km vom – noch(!) sehr unberührten Palmenstrand entfernt. Samhathi arbeitet auch mit einem Reisebüro zusammen, das romantische Backwaterfahrten in Hausbooten im unmittelbaren Hinterland sowie Reisen in die Bergwelt Keralas mit Wildparks, Teefeldern und Gewürzgärten organisiert. Cochin, die alte Kolonialstadt, in deren Nähe sich der Flughafen befindet, ist wunderschön an der Malabarküste gelegen und ein Besuch (mit unserem Führer Markose) lohnt auf alle Fälle. Beste Reisezeit ist November bis Jänner (Gesamtkosten € 1500 - 1800 für 14 Tage bei mittlerem Standard).